RWE: Essent-Übernahme vor Abschluss

Die Übernahme des niederländischen Energieversorgers Essent durch RWE ist offenbar fast abgeschlossen. Der deutsche Energieriese verfügt nach dem Einknicken der Provinzregierung Nord-Brabant mittlerweile über die nötige Kontrollmehrheit.

Monatelang hatte es Streit und Diskussionen um die Übernehme des größten Energiekonzerns der Niederlande gegeben. Mehrere Verbände und auch Regionalparlamente hatten immer wieder Bedenken und Kritik an den RWE-Plänen geäußert und versuchten, das 9,3 Mrd. Euro schwere Geschäft zu verhindern. Vor allem die Regierung der Provinz Nord-Brabant hatte sich bis zuletzt schwer getan, ihre Essent-Anteile von 30,8 Prozent an RWE zu verkaufen. In einer Sitzung am vergangenen Freitag haben sich nun nach Informationen der “Welt” die Befürworter der Übernahme durchgesetzt und somit eine Mehrheit für den Essent-Verkauf bilden können. Auf diese Weise wurde die mittlerweile mehr als 80-prozentige Kontrollmehrheit für RWE freigemacht.

Noch Streitfragen offen

Die Streitpunkte, die die Akquisition verzögerten, bezogen sich vor allem auf kartellrechtliche Bedenken seitens der Niederländer. RWE würde durch die Übernahme eine Wettbewerbsverzerrung und Monopolbildung verursachen, so die Befürchtung. Die Konzernführung aus Deutschland musste daher im Verlauf der Verhandlungen bereits einige grundlegende Kompromisse eingehen.
So wird nun bei der Übernahme die Essent-Netzgesellschaft abgespalten. Die Netze gehen an ein kommunales Konsortium, das rund 40 Prozent Eigenanteile halten soll. Die niederländische Regierung fordert jedoch nach Informationen der “Welt” noch eine Erhöhung dieses Anteils. Auch die Anteile von Essent an den Bremer Stadtwerken waren ein brisanter Aspekt, der durch den Verkauf der Anteile nun jedoch bereinigt werden konnte. Noch nicht geklärt ist der Streit um den Atommeiler Borssele. Essent besitzt einen 50-prozentigen Anteil an diesem Kraftwerk. Der regionale Stromversorger Delta, dem die andere Hälfte gehört, möchte diesen Anteil übernehmen und den Meiler nur in öffentlichem Besitz betreiben. RWE lehne dies ab, so ein Konzernsprecher, biete aber als Kompromiss an, den Essent-Kommunen den rechtlichen Besitzt am Atomkraftwerk überlassen zu wollen.
Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern zeigt sich optimistisch, auch diese letzten Streitpunkte zeitnah ausräumen zu können. Die größte Übernahme der letzten Jahre im Energiesektor könnte dann plangemäß bis zum Herbst dieses Jahres durchgeführt werden.

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