Die Verbreitung von Kleinkraftwerken, die private Haushalte oder kleinere Gebiete mit Ökostrom versorgen, schreitet voran. Trotz der dadurch möglichen Einsparungen beim Stromverbrauch versuchen die Energiekonzerne jedoch, diese Entwicklung zu blockieren.
Durch Photovoltaikanlagen, Stirlingmotoren und diverse weitere erneuerbare Energieanlagen ist heutzutage jeder Haushalt in der Lage, selbständig Strom zu produzieren. Diese Anlagen können dabei je nach Bedarf, Standort und Größe auch mehrere Häuser oder Wohnungsblöcke versorgen und erhöhen so die Unabhängigkeit von den großen Versorgern und deren Preisen. Lange Energietransporte entfallen oder werden zumindest merklich verringert. Vor allem aber kommen bei den dezentralen Kleinkraftwerken oft auch intelligente Steuerungsinstrumente und Server zum Einsatz, die den produzierten Strom entsprechend des Verbrauchmusters und Bedarfs des jeweils zu versorgenden Haushalts verteilen. Auf den Strom aus den regulären Netzen wird nur bei Bedarf, also meist in verbrauchsstarken Zeiten, zurückgegriffen.
Große Potenziale
Wie nun die Studie “Zukunftsfaktoren 2020″, die von der Steria Mummert Consulting AG gemeinsam mit der Lünendonk GmbH sowie der FutureManagementGroup AG durchgeführt wurde, ergab, könnte die verbreitete Nutzung der Kleinkraftwerke zu einer deutlichen Verringerung des Stromverbrauchs führen. Bis 2020 sei ein Rückgang um 40 Prozent möglich, heißt es. Würde dagegen “weitergemacht wie bisher”, könnte der Stromverbrauch um bis zu 60 Prozent steigen. “Die dezentrale Energieversorgung von Privathaushalten und kleineren Gewerbebetrieben bietet große Chancen, die Energieeffizienz zu verbessern und neue, alternative Technologien nutzbar zu machen”, so das Fazit der Initiatoren. Die Nachbarschafts-Kraftwerke und -Stromnetze, die jeweils mehrere Wohneinheiten versorgen, hätten vor allem in Ballungsräumen große Chancen und könnten den Verbrauch nachhaltig senken.
Die Angst der Großen
Diese Chancen sehen die großen Energiekonzerne jedoch allem Anschein nach eher als Bedrohung ihres Geschäftes an. Die fast vollständig von ihnen betriebenen Großkraftwerke und die damit verbundene zentrale Stromversorgung würden durch die weitere Verbreitung der dezentralen Kraftwerke in ihrer Bedeutung deutlich einbüßen. Angesichts des Ökostrom-Anteils von über 15 Prozent und des momentanen Trends hin zu mehr Umweltbewusstsein haben E.ON und Co. zwar bereits entsprechend reagiert und dahingehend investiert. Jedoch fürchten sie langfristig allen Anschein nach um ihre Machtstellung auf dem Energiemarkt.
VDE-Blockade
Wie die “Welt” berichtet, führte diese Angst nun zu einer kürzlich beschlossene Regelung, die die sogenannten Technischen Anschlussbedingungen für kleine Stromerzeugungsanlagen neu festgelegt habe. Ein Gremium des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) – unter dem Vorsitz eines RWE-Managers – zwingt mit diesem Beschluss nun Heimproduzenten, die eigene Stromanlagen betreiben, einen zweiten Stromzähler “am zentralen Zählerplatz” anzubringen. Dies solle der “Übersichtlichkeit und besseren Ablesbarkeit” dienen. Jedoch wirke es sich vor allem auf die Kosten der Anlage aus: Konnte bisher noch der Zähler direkt am Gerät installiert werden, müssten nun zusätzliche Kabel zum alten Zähler verlegt werden. Hierfür sei es oft nötig, Wände aufzureißen und hinterher wieder zu verschließen und zu tapezieren, was leicht zu Mehrkosten von 1500 Euro führen könnte. Die ohnehin schon nicht allzu günstigen Geräte würden durch diesen Aufwand in vielen Fällen unrentabel und unattraktiv, so die Zeitung weiter. Des Weiteren würden die staatlichen Förderungen für private Stromanlagen geradezu “vernichtet”. Im Zuge dessen kritisierten auch zahlreiche Industrieverbände den VDE-Beschluss und geißelten ihn als Gefahr für die Ziele zum Ausbau umweltfreundlicher dezentraler Technologien zur Stromerzeugung sowie auch für die weltweit führende Stellung deutscher Unternehmen auf diesem Gebiet.