Nach langen Verhandlungen ist ein wichtiger Schritt bei der Konsolidierung des Breitbandmarktes vollzogen worden. United Internet kauft für 123 Mio. Euro die DSL-Sparte von Freenet und steigt somit zum zweitgrößten DSL-Anbieter in Deutschland auf.
Bislang rangierte noch Vodafone mit 3,2 Millionen DSL-Kunden hinter der übermächtigen 10,6-Millionen-Telekom auf Platz zwei der deutschen Breitbandanbieter. United Internet wird mit den nun von Freenet hinzugekauften Kunden im besten Fall auf 3,5 Millionen kommen und Vodafone damit überholen. Sollte Vodafone allerdings den Bieterwettstreit um die DSL-Sparte von HanseNet gewinnen, würde der Anbieter mit 2,3 Millionen zusätzlichen Kunden wieder deutlich vor United Internet liegen. Dieser Kampf, an dem auch Telefónica/o2 beteiligt ist, ist jedoch noch nicht entschieden.
Preisbedingungen
Entschieden ist dagegen nun die Übernahme der Freenet DSL-Sparte durch United Internet. Die rund 700.000 Freenet-Kunden sollen zu der UI-Tochter 1&1 übergehen. Branchenkenner bezweifeln allerdings, ob dieser Plan tatsächlich aufgeht und gehen eher davon aus, dass viele Kunden abwandern werden. Auch United Internet ist sich dieses Risikos bewusst und hat den Kaufvertrag entsprechend gestaltet: Der endgültige Kaufpreis hängt von der Kundenmigration und der Bewertung des Kundenstamms nach Abschluss der Wechselprozedur ab.
Darüber hinaus vereinbarten United Internet und Freenet eine Vertriebspartnerschaft. Bis 2014 soll Freenet in seinen rund 1000 Filialen das Breitbandgeschäft von 1&1 vermerkten und damit 500.000 neue Kunden für United Internet werben. Letzterer zahlt dafür eine entsprechende Vertriebsprämie in Form eigener Aktien.
Der Deal wird insgesamt vor allem für United Internet als positiv und relativ günstig bewertet, was auch im Verlauf der Aktienkurse zu beobachten war. Während die Freenet-Papiere stagnierten und fielen, konnte der UI-Kurs deutliche Zuwächse verbuchen. Für Freenet war der beste Zeitpunkt zum Verkauf bereits verstrichen, da der Absprung vieler Kunden in der Vergangenheit dem DSL-Geschäft herbe Verluste einbrachte und nun auch die weitere Abwanderung von Kunden den Verkaufspreis letztendlich weiter drücken könnte.
Markt wird übersichtlicher
Der DSL-Markt ist nach Meinung vieler Experten überladen, wodurch der Preiskampf zwischen den Anbietern sehr stark ist. Das “Handelsblatt” berichtet, DSL-Anbieter müssten für einen Neukunden durch Lockangebote und hohen Kommissionen inzwischen rund 600 Euro zahlen. Aufgrund dieser Lage wird seit längerem mit einer Konsolidierung in Form von Übernahmen gerechnet, die auch die Vormachtstellung der Telekom durch stärkere Konkurrenzanbieter verringern könnte. Nachdem vor einiger Zeit bereits HanseNet AOL und Vodafone Arcor geschluckt hatte, sind nun die monatelangen Verhandlungen um Freenet zu einem Ende gekommen. Auch der Verkauf der Telekom Italia – Tochter HanseNet steht offenbar kurz vor dem Verkauf. Sollte die Konsolidierung wie bisher weiter voranschreiten, würde das den Preiskampf entspannen und den Markt wieder übersichtlicher gestalten.