Solarthermische Kraftwerke in den Wüstenregionen der Erde könnten laut einer aktuellen Studie künftig ein Viertel des globalen Strombedarfs decken. Greenpeace fordert die Regierung vor diesem Hintergrund zum Handeln auf.
Im Rahmen der momentan in München stattfindenden Solarstrom-Messe “Intersolar 2009″ wurde die unter anderem von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) durchgeführte Studie “Globaler Ausblick auf die Entwicklung solarthermischer Kraftwerke 2009″ vorgestellt. Sie legt die großen Potenziale der Sonneneinstrahlung in Regionen wie der Sahara, der Wüste Gobi, der westlichen USA, Mexiko, Indien oder Australien offen und beweist, dass die technischen Möglichkeiten zu Realisierung entsprechende Solarkraftwerke bereits vorhanden sind.
Gigantische Kapazitäten
Die Ausnutzung dieser Möglichkeiten erscheint angesichts der von der Studie berechneten Kapazitäten mehr als sinnvoll. Wie Greenpeace erklärt, könnten zwei Prozent der Sahara bereits die ganze Welt mit sauberem Strom versorgen. Bis zum Jahre 2050 könnten entsprechende Kraftwerke mit einer Kapazität von 1.500 Gigawatt gebaut werden, die pro Jahr 7.800 Terawattstunden Strom produzieren. Das entspricht der dreifachen Menge des von allen Kernkraftwerken der Welt erzeugten Stroms. Im Hinblick auf das Ersetzen von Kohlekraftwerken ist auch die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes um 4,7 Milliarden Tonnen möglich, was dem sechsfachen jährlichen Verbrauch Deutschlands entspricht.
Aber nicht nur aus klimatechnischen Gründen ist der konsequente Ausbau der Wüstenstrom-Anlagen gewinnbringend. Auch der Wirtschaft würde er unmittelbaren Nutzen bringen: Aufgrund Investitionen von 15 Milliarden Euro pro Jahr sei die Schaffung von 200.000 neuen Jobs in diesem Sektor bis 2020 möglich, bis 2050 wären es sogar ganze zwei Millionen neue Arbeitsplätze. “Solarthermische Kraftwerke können nach der Windkraft und der Photovoltaik zum dritten globalen Exportschlager der Erneuerbaren Energien werden,” prophezeit der Energie-Experte von Greenpeace, Andree Böhling, in einer Pressemitteilung.
Politik sieht sich auf richtigem Kurs
Vor allem für Ökostrom-Technologien aus Deutschland, die weltweit führend sind, eröffnet sich hier ein riesiger Markt mit großen Möglichkeiten. Um diese wahrnehmen zu können, bedürfe es allerdings klarere Bemühungen seitens der Politik, mahnt Böhling: Die Regierung müsse “das Thema Wüstenstrom endlich aus der Forschungsecke herausholen und auf die internationale Agenda der Klimakonferenzen und des nächsten G8-Gipfels setzen”. Es müsse ein internationale, faire Kooperation entstehen, um den Ausbau der nötigen Stromleitungen zu fördern. Dabei würde die Versorgung der Anrainergebiete der Solarthermie-Anlagen primär berücksichtigt werden und die immer noch großen Retsstrommengen dann über tausende Kilometer lange, hocheffiziente Leitungen zum Beispiel nach Europa transportiert werden. Laut Studie könnten somit 15 Prozent des deutschen und ein Viertel des europäischen Strombedarfs gedeckt werden.
Das Umweltministerium weist die Kritik jedoch zurück und erklärt im Gegenzug, Greenpeace habe vielmehr durch seine Untersuchung den Kurs der Regierung bestätigt. Nach drei eigenen Studien, die zu einem ähnlichen Ergebnis wie die von Greenpeace gekommen seien, habe Umweltminister Sigmar Gabriel sich in diversen internationalen Konferenzen bereits vehement für den Wüstenstrom stark gemacht. “Wir sind uns mit Greenpeace einig”, erklärt Gabriel in einer MItteilung des Ministeriums.
Greenpeace sieht dies freilich anders und fordert eine deutliche Aufstockung der finanziellen Mittel für die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Der Forschungsetat für solarthermische Kraftwerke solle von derzeit acht Millionen Euro jährlich an das Niveau der Kernfusionsforschung von über 130 Millionen Euro angepasst werden, so der Appell. Diese Forderungen erhalten durch die detaillierten und beeindruckenden Ergebnisse der Studie mit Sicherheit einen stabilen Rückenwind, der den durchaus dringend notwendigen Energiewandel vorantreiben könnte.