Die Unternehmen in Deutschland bekommen zunehmend Probleme, bei Banken Kredite zu bekommen. Infolgedessen weiteten staatliche Banken wie die KfW-Gruppe ihr Kreditvolumen deutlich aus, um die Vergabe der Darlehen wieder in Schwung zu bringen.
In einer jüngst von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Kreditstatistik wird die für viele Unternehmen ungünstige Kreditlage deutlich. Die Kreditvergabe der Banken in Deutschland sei im April bereits im dritten Monat in Folge gesunken, heißt es. Das von den Geldinstituten ausgegebene Kreditvolumen ist erneut und zunehmend niedriger als die eingenommenen Tilgungszahlungen. Auch das Ifo-Institut ermittelte in einer Befragung von Unternehmern, dass diese einer restriktiven Kreditpolitik der Banken entgegenblicken müssen. Rund 43 Prozent aller befragten Unternehmen – und damit 1,4 Prozent mehr als im Vormonat – beklagten im Mai Probleme bei der Suche und Aufnahme von Darlehen zu guten Konditionen. Dabei sind die Schwierigkeiten bei den größeren Unternehmen mit 54,2 Prozent höher als bei kleineren Industriebetrieben mit 41,8 Prozent.
Die Krise errichtet Hürden
Den Grund für diese Entwicklung sieht die Bundesbank nach Informationen des “Handelsblatts” deutlich in den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Ein Faktor sei hierbei den Unternehmen selbst zuzurechnen, deren Investitionen und folglich auch Kreditnachfrage rückläufig sei. Darüber hinaus würden aber vor allem die Banken selbst massiv die Hürden für neue Kredite erhöhen, um eventuellen Zahlungsausfällen von Kreditnehmern aus dem Weg zu gehen. Da die Banken aufgrund eklatanter Fehlspekulationen unter deutlichen Verlusten litten und mit gestiegenen Refinanzierungskosten zu kämpfen hätten, würde die Angebotspolitik der Banken in der Krise entsprechend zum Nachteil der Kreditnehmer verändert, so die Analyse.
Unter Finanzexperten gilt der Aspekt der Kreditvergabe als wesentlicher Faktor für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Im Angesicht der krisenbedingten Probleme könnte er also den Abschwung verstärken: “Die gewaltigen Eigenkapitalverluste des Bankensektors – ausgelöst durch den Besitz toxischer Wertpapiere – erweisen sich zunehmend als Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung”, warnt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn in der “Welt”. Die Bedeutung der Kredite mache dabei auch die weiterhin bestehende Notwendigkeit deutlich, die Banken vor einer Pleite zu schützen.
Der Staat übernimmt das Risiko
Um der negativen Tendenz entgegenzuwirken, beschloss die Regierung im Verlauf der Krise diverse Pakete zur Belebung der Wirtschaft. Im Zuge dessen wurde auch das Kreditvolumen der staatlich gelenkten Banken teilweise massiv ausgeweitet. Die KfW-Gruppe und andere Förderbanken mit gesonderten Aufgaben steigerten ihres um insgesamt 20 Prozent oder 15 Milliarden Euro, womit nach Einschätzung des “Handelsblatts” der Ausfall bei den Großbanken “mehr als kompensiert” wurde. Auch die für die Kreditvergabe wichtigen Landesbanken seien diesem Trend, wenn auch in kleinerem Umfang, gefolgt, ebenso wie die Sparkassen und die Kreditgenossenschaften.
Damit steht der Staat also für die verklemmte Kreditpolitik des privaten Bankensektors und die Folgen von deren Misswirtschaft ein, um die für die Wirtschaft so wichtigen unternehmerischen Investitionen aufrecht zu erhalten. Das Risiko von Kreditausfällen wird folglich vom privaten auf den öffentlichen Sektor übertragen. Dies ist zwar eine unangenehme, aber vor dem Hintergrund der Krise wohl notwendige Maßnahme, um die Rezession wirkungsvoll einzudämmen und einen vollständigen Wirtschaftseinbruch zu verhindern.