Vattenfall muss Nuon Deutschland abstoßen

Die Übernahme des niederländischen Energiekonzerns Nuon durch den Branchenriesen Vattenfall kann nicht wie geplant durchgeführt werden. Auf Druck der EU-Kommission verzichtet Vattenfall auf die Deutschland-Sparte von Nuon, einem wichtigen Konkurrenten der Schweden.
Bereits vor einigen Monaten machte der schwedische Staatskonzern seine Pläne zur Akquisition von Nuon öffentlich. Nachdem RWE bereits die Niederländer von Essent geschluckt hat, würde dieses Geschäft den Wettbewerb in Europa und Deutschland weiter schwächen. Das sehen die Wettbewerbshüter der Europäischen Union offenbar genauso und verhindern die Übernahme nun vorerst. In Deutschland würde der Preiskampf auf dem Markt durch den 10,3 Milliarden Euro schweren Kauf einen herben Dämpfer erleiden, so die Kritik aus Brüssel, was vor allem auch an den identischen Hauptabsatzgebieten der beiden Anbieter liege: Beide haben den Großteil ihres Kundenstamms in Hamburg und Berlin, wo viele ehemalige Vattenfall-Kunden zu Nuon abgewandert sind. Diese würden durch die Pläne von Vattenfall nun wieder bei ihrem alten Anbieter landen und eine Alternative weniger im Energiesektor haben. Das mehr oder weniger erzwungene Zugeständnis der Schweden verpflichtet diese nun, die Deutschland-Sparte von Nuon nach Vollendung der Akquisition wieder an andere Investoren abzutreten.

Fragwürdige Tragweite

Nuon kann auf einen in den Niederlanden, Belgien und Deutschland ansässigen Kundenstamm von rund drei Millionen Strom- und Gasverbrauchern blicken. Innerhalb unserer Grenzen sind jedoch lediglich 270.000 Strom- und 30.000 Gaskunden von Nuon zu finden, was die Dimension des Verzichtes in seiner Gesamtheit durchaus schmälert. Zwar ist die EU-Sperre für den deutschen Wettbewerb immens wichtig, aber Vattenfall kann trotzdem noch rund 90 Prozent der internationalen Nuon-Kunden und 9.600 der 10.000 Mitarbeiter übernehmen. Die Übernahme fände also zu großen Teilen trotzdem statt, falls EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes den Kompromiss vom Vattenfall-Konzern akzeptieren sollte. Dieser hat unterdessen diesbezüglich weitere Nachbesserungen in Aussicht gestellt. Das Prüfungsverfahren läuft nach Angaben der “Süddeutschen Zeitung” noch bis zum 22. Juni – dann wird Kroes ihre Entscheidung offiziell verkünden.

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