Sofortiger Atomausstieg ohne Stromlücke?

Eine Greenpeace-Untersuchung hat ergeben, dass die sieben ältesten Atomkraftwerke Deutschlands mit sofortiger Wirkung stillgelegt werden könnten, ohne dass es zu den befürchteten Engpässen kommt. Der Anteil dieser Anlagen an der Stromversorgung sei tendenziell gesunken, heißt es in einer Presseerklärung.
Die Meiler, die die Umweltschutzorganisation hiermit in Augenschein nimmt, sind die Kraftwerke Biblis A und B, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1, Isar 1, Philippsburg 1 und Unterweser. Viele dieser älteren, unzuverlässigen und überflüssigen Modelle stünden ohnehin die meiste Zeit aufgrund von Sicherheitsproblemen still, so Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Daher sei eine Abschaltung dieser Anlagen die logische Konsequenz: “Wenn diese sieben Alt- Reaktoren sofort vom Netz gehen, ist das ein großer Gewinn für die Sicherheit. Versorgungsengpässe oder gar eine Stromlücke, mit der die Atomlobby droht, gibt es nicht.”

“Propaganda entlarvt”

Der Anteil der acht Atommeiler ist nach Angaben von Greenpeace merklich gesunken. In den letzten vier Jahren betrug er nur noch 6,9 Prozent, während er in den vier Jahren zuvor noch auf 8 Prozent kam. Der von vier der problematischsten Anlagen im Jahre 2008 gewonnene Strom in Höhe von 22.000 Kilowattstunden entspreche exakt der Menge an exportiertem Strom. Des Weiteren seien derzeit bereits sieben Kraftwerke temporär nicht am Netz, ohne dass es zu Versorgungsproblemen komme. Hier zeige sich die geringe Bedeutung der Anlagen, so Smital.
Damit würden sich die Warnungen der Atomlobby vor Engpässen also als falsch herausstellen, heißt es in der Pressemitteilung – es gilt jedoch zu beachten, dass seitens der Politik auch nur die Option einer Weiterführung der neueren Anlagen in Betracht gezogen wird. Auch die Vertreter der Atomkraft warnen primär vor einer drohenden Stromlücke, wenn sämtliche Anlagen im Laufe der nächsten Jahre heruntergefahren werden sollten. Die alten Anlagen stehen auch aufgrund der jüngsten Störfälle voraussichtlich so oder so kurz vor ihrem berechtigten Ende.

Grünes Gas geben

Greenpeace versucht nun gemäß ihrer Ziele bezüglich einer grünen Stromversorgung, dieses Ende möglichst bald herbeizuführen. “Die schwerfälligen Atomkraftwerke blockieren den Ausbau der Erneuerbaren Energien”, so Smital. “Schon heute machen sich Wind und Atomstrom im Stromnetz Konkurrenz. Das Abschalten der sieben Alt-Meiler wäre ein positives Signal an alle Investoren.” Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei immens wichtig, da er die Stromversorgung langfristig sichere, mahnt Smital weiter. Angesichts der nun gewonnenen Erkenntnisse müsse der Energiewandel also weiter beschleunigt werden.

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